Arbeitsspeicher wird knapp und teuer. Der KI-Boom verdrängt Standard-Produkte und treibt die Kosten für Hardware-Updates massiv in die Höhe. Wir erklären die Hintergründe und zeigen, wie Sie Ihre IT-Budgets schonen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist passiert? / Worum geht es?
- Wer ist betroffen?
- Was sollten Sie jetzt tun?
- Einordnung — Wie kritisch ist das wirklich?
- Weiterführende Ressourcen
- FAQ-Bereich
Was ist passiert? / Worum geht es?
Der Markt für Arbeitsspeicher (DRAM) erlebt eine massive Preisexplosion. Seit Herbst 2025 haben sich die Preise für RAM-Module fast verdoppelt. Ein 16-Gigabyte-Riegel, der vor wenigen Monaten noch rund 50 Euro kostete, liegt mittlerweile oft bei über 150 Euro. Diese Entwicklung ist keine kurzfristige Schwankung, sondern das Ergebnis einer fundamentalen Verschiebung in der Halbleiterindustrie.
Große Hersteller wie Samsung, SK hynix und Micron verlagern ihre Produktionskapazitäten massiv hin zu sogenanntem HBM (High Bandwidth Memory). Dies ist ein spezieller Speichertyp, der für den Betrieb leistungsstarker KI-Systeme in Rechenzentren unverzichtbar ist. Da die Fertigungskapazitäten begrenzt sind, geht diese Umstellung zu Lasten der klassischen DRAM-Produktion für PCs, Laptops und Server. Die Folge ist ein struktureller Mangel an Standard-Speicherchips. Analysten gehen davon aus, dass die gesamte Produktionsmenge für das Jahr 2026 bereits weitgehend ausgebucht ist. Das treibt die Preise und zwingt Hardware-Hersteller dazu, ihre Kalkulationen anzupassen.
Wer ist betroffen?
Vom aktuellen Preisschock sind nahezu alle Unternehmen betroffen, die in den nächsten Monaten Hardware beschaffen oder aufrüsten wollen. Konkret trifft es:
- KMU mit geplanten Hardware-Refreshes: Wenn Sie im Jahr 2026 neue PCs, Laptops oder Workstations für Ihre Mitarbeiter anschaffen wollen, müssen Sie mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. Dies betrifft sowohl Direktkäufe bei Herstellern wie Dell, HP oder Lenovo als auch den Kauf von Komponenten für Eigenbauten oder individuelle Systemhäuser.
- Betreiber von Servern und Rechenzentren: Auch Unternehmen, die ihre Server-Infrastruktur modernisieren oder erweitern müssen, spüren den Druck. Hier kommt hinzu, dass auch Server-DRAM (Registered ECC) von der Kapazitätsverlagerung betroffen ist.
- Mobilfunk-Provider und Geräte-Verwalter: Wer Smartphones oder Tablets im großen Stil für Mitarbeiter bereitstellt, wird ebenfalls höhere Preise sehen. Analysten von TrendForce prognostizieren, dass Hersteller bei Einstiegs-Smartphones den Arbeitsspeicher von bis zu 8 GB auf nur noch 4 GB kürzen könnten, um die Preise stabil zu halten. Das verringert die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit der Geräte.
Was sollten Sie jetzt tun?
Um die Auswirkungen auf Ihr Budget und Ihre Betriebsbereitschaft zu minimieren, empfehlen wir folgende pragmatische Schritte:
- Bestandsaufnahme und Priorisierung: Prüfen Sie Ihre aktuellen Hardware-Beschaffungspläne für das erste und zweite Halbjahr 2026. Welche Projekte sind absolut kritisch für den Geschäftsbetrieb? Welche Aufrüstungen können vielleicht um drei bis sechs Monate verschoben werden? Verschieben Sie nicht-essentielle Käufe, falls möglich, auf einen späteren Zeitpunkt, in dem sich die Marktspanne vielleicht etwas entspannt.
- Check der aktuellen Speicherpreise: Beobachten Sie die Preise aktiv. Wenn Sie noch Restbudgete für 2025 oder Anfang 2026 haben, lohnt sich ein schneller Check. Nutzen Sie Preisvergleichsportale, um den aktuellen Marktpreis für Ihre üblichen Module zu ermitteln. Ein schneller Blick lohnt sich, um zu entscheiden, ob ein Vorkauf sinnvoll ist.
- Optimierung der Bestands-Hardware: Bevor Sie neue Hardware kaufen, prüfen Sie, ob Sie Ihre vorhandenen Geräte durch Aufrüsten des Arbeitsspeichers verlängern können. In vielen Firmen-PCs und Laptops sind noch freie Steckplätze vorhanden. Das Nachrüsten von 8 GB auf 16 GB oder 32 GB kann die Lebensdauer eines Geräts um zwei bis drei Jahre verlängern und ist oft günstiger als ein kompletter Neukauf, zumindest sofern der RAM noch bezahlbar ist.
- Verhandlung mit Lieferanten: Sprechen Sie proaktiv mit Ihren IT-Dienstleistern oder Hardware-Lieferanten. Fragen Sie nach der Möglichkeit von Festpreisen oder längerfristigen Liefervereinbarungen für geplante Projekte. Große Händler versuchen oft, sich vor Preissprüngen abzusichern. Wenn Sie frühzeitig Ihre Bedarfe kommunizieren, verbessern Sie Ihre Position.
- Prüfung auf „Bloatware“ und Ressourcenfresser: Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Software-Landschaft zu überprüfen. Oft verbrauchen unnötige Hintergrundprozesse oder veraltete Anwendungen massiv RAM. Eine Bereinigung der Autostarts und das Entfernen nicht genutzter Software können den Druck auf den Speicher reduzieren und die Performance älterer Geräte verbessern. Dies ersetzt kein Hardware-Upgrade, kann es aber hinauszögern.
- Alternative Hardware-Strategien in Betracht ziehen: Wenn Sie neue Desktop-PCs kaufen, prüfen Sie Modelle, bei denen der Arbeitsspeicher fest verlötet ist (wie bei vielen modernen Thin Clients oder Business-Laptops). Diese sind oft günstiger in der Herstellung, da der Hersteller die Komponenten effizienter einkaufen kann, allerdings gehen Sie hier die Flexibilität zum späteren Aufrüsten verloren. Abwägen ist hier gefragt.
Einordnung — Wie kritisch ist das wirklich?
Die aktuelle Situation ist mehr als nur eine normale Marktschwankung. Branchenbeobachter sprechen von einem „Supercycle“, der durch den massiven Ausbau der KI-Infrastruktur ausgelöst wurde. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und andere Behörden warnen zwar nicht direkt vor einer Versorgungsknappheit für kritische Infrastruktur, aber die wirtschaftlichen Auswirkungen für IT-Abteilungen sind gravierend.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die RAM-Preise im Jahr 2026 wieder auf das Niveau von Anfang 2025 fallen, ist extrem gering. Samsung hat bereits öffentlich eingeräumt, dass die Versorgungsengpässe „alle betreffen“ werden, nicht nur die Kunden der Konkurrenz. Das ist ein klares Signal dafür, dass die Hersteller ihre Kapazitäten nicht kurzfristig wieder auf Standard-DRAM umstellen werden. Die Margen bei HBM für KI-Anwendungen sind schlichtweg zu attraktiv.
Für ein deutsches KMU bedeutet das: Rechnen Sie für dieses Jahr mit deutlich höheren Hardware-Kosten. Es ist ratsam, dies frühzeitig in der Budgetplanung zu berücksichtigen und Gespräche mit der Geschäftsführung zu führen. Panik ist jedoch fehl am Platz. Es gibt keinen physischen Mangel an Speicherchips, der Ihren Betrieb stilllegen würde. Es ist vielmehr ein Preisproblem, das eine strategische Anpassung der Beschaffungsprozesse erfordert.
Achten Sie in der Planung auch darauf, dass nicht nur RAM teurer wird. Wie berichtet, ziehen auch die Preise für SSDs und Festplatten an, wenn auch nicht so drastisch wie bei Arbeitsspeicher. Planen Sie für gesamte Speicher-Infrastrukturprojekte einen Puffer von 20 bis 30 Prozent ein, um sicherzustellen, dass Sie nicht mittendrin das Budget sprengen.
Weiterführende Ressourcen
Hier finden Sie weitere Details und Analysen zu den aktuellen Marktentwicklungen:
- Specialty DRAM Price Jan. 2026 | TrendForce
- 2026 Market Outlook: SK hynix’s HBM to Fuel AI Memory Boom
- Hohe RAM-Preise: 2026 wird kein gutes Jahr für Smartphones und Notebooks | heise online
- Speicherpreise im Check: RAM-Preise nahezu verdoppelt, auch SSDs legen langsam zu – ComputerBase
FAQ-Bereich
Warum sind die RAM-Preise gerade so stark gestiegen?
Der Hauptgrund ist der massive Bedarf an Speicherchips für KI-Rechenzentren. Hersteller produzieren bevorzugt teurere HBM-Speicher für AI-Anwendungen, wodurch die Kapazitäten für normalen PC- und Server-RAM knapper werden. Das Angebot sinkt, während die Nachfrage stabil bleibt, was die Preise in die Höhe treibt.
Lohnt sich der Kauf von RAM jetzt noch oder sollte ich warten?
Ein Warten auf fallende Preise ist im Jahr 2026 kaum ratsam, da die Experten von anhaltend hohen Preisen ausgehen. Wenn Sie Arbeitsspeicher für kritische Systeme benötigen, sollten Sie jetzt kaufen, da die Preise weiter steigen könnten. Bei nicht-essentiellen Upgrades können Sie jedoch prüfen, ob sich das Projekt verschieben lässt.
Kann ich meinen alten PC einfach aufrüsten, um Geld zu sparen?
Ja, das ist oft die kostengünstigste Lösung. Prüfen Sie, ob Ihr Motherboard noch freie RAM-Slots hat und wie viel Speicher maximal unterstützt wird. Das Aufrüsten von 8 GB auf 16 oder 32 GB kann die Leistung spürbar steigern und ist günstiger als ein komplett neuer PC. Vergleichen Sie jedoch die Preise für die passenden Module mit den Kosten für neue Hardware.